Nach einer traumhaft schönen Strecke mit der Bahn erreichen wir Sarria gegen Viertel nach Eins. Sollte der WDR für seine Sendereihe Eisenbahnromantik einen Tipp benötigen… Es ist ein wenig so, als fahre man durch das Auenland der Hobbits.

Hier her zu kommen war aber nicht wirklich einfach, denn der doch eher grummelige Spanier am Schalter im Bahnhof von Ponferrada wollte nicht so recht verstehen. Zusätzlich erklärt er, dass kein Zug von Ponferrada nach Sarria fahren würde. Unbeirrt kaufen wir ein Ticket nach Monforte de Lemos. Dieser Ort ist so nah wie möglich an unserem Ziel.

Monforte de Lemos

 

Einen Bahnhof weiter erfahren wir dann auch, dass es vermutlich an uns gelegen hat. Unser Ziel haben wir einfach scheinbar falsch betont. Statt das I zu betonen und ein weiches S am Anfang zu verwenden, muss man Sarria mit einem scharfen S beginnen und die Betonung auf das erste A legen. Der freundliche Bahnmitarbeiter in Monforte de Lemos ist zu scherzen aufgelegt und so lernen wir bei ihm die korrekte Aussprache und erhalten – tada – ein Ticket nach Sarria 🙂 Doch bis der Zug kommt haben wir noch viel Zeit und machen es uns im Bahnhofscafe bei einer Runde Churos und den üblichen Getränken dazu gemütlich.

Monforte de Lemos

 

In Sarria selbst starten wir nicht direkt zur ersten Etappe. Wir gönnen uns eine letzte Auszeit und quartieren uns ein. Auf dem Weg durch Sarria scheinen wir auch das spanische Flat Iron entdeckt zu haben.

Sarria

 

Als wir unser Quartier beziehen beginnen wir mit dem üblichen zur Routine gewordenen Auspacken des Rucksacks, des Wäsche waschens und Versorgung der körperlichen Blessuren.

Ein Highlight hat aber zuvor unsere volle Aufmerksamkeit:

Es saugt und bläst der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur blasen kann.

 

Wir sind begeistert, als das Gerät sogar warme Luft von sich gibt und somit eindeutig der Föhn sein soll und nicht das Sprachrohr zur Rezeption.

Wenig später durchstreifen wir die Stadt auf der Suche nach etwas gegen den langsam stärker werdenden Hunger. Inzwischen haben wir uns ja tatsächlich an den Umstand gewöhnt, dass hier zwischen 14 und 17 Uhr alles geschlossen ist und die Küche auch erst ab 20 Uhr wieder öffnet. Es sei denn man ist in einer Touristenhochburg. In der Vergangenheit haben wir schon den einen oder anderen Hunger mit einem Müsliriegel aus dem Supermarkt stillen müssen oder zur üblichen Tortilla gegriffen. Wenn der gewöhnliche Spanier wieder aktiv wird, liegen wir meist todmüde in der Koje. 🙂

Es gibt Pizza! Welch ein Genuss nach all dem einheimischen Essen der letzten Tage. Als ich bezahle, sehe ich, wie die komplette Belegschaft (Familie?) beim Essen zusammen sitzt. Scheinbar ist wohl eigentlich geschlossen… Ich bedanke mich und wünsche ¡Buen Provecho!

Sarria an sich ist für uns nun kein wirklich schöner Ort. Zu profitieren scheint die Stadt aber von der Tatsache, dass Sarria der letzte verkehrstechnisch günstig zu erreichende Punkt für die letzten 100 km des Jakobsweges ist.

Sarria