Vor einem guten Jahr stellte ich mir noch während des Abspann eines Films im Kino die Frage:
Auf was wartest du noch? Mach‘ es!

Und so ging ich in die „Vorbereitung“. Ich studierte Erfahrungen anderer Menschen, die sich auf diesen Weg gemacht hatten. Sammelte Informationen rund um das Pilgern. Je tiefer ich in die unterschiedlichsten Details eintauchte, um so mehr stellte sich mir das Vorhaben wiederum in Frage. Will ich, der geplant und organisiert an Situationen heran geht, sich gleichfalls in diese begeben und, was immer da kommt, passieren lassen? Kann man eine 800 km Wanderung planen?
Fragen, Fragen und noch mehr Fragen.

Eine zeitlang passierte nichts weiter. Der Gedanke war aber nun mal da und schlechter zu entfernen als ein Virus im Computer.

Irgendwann meldete ich mal vorsichtig Urlaub bei meinem Arbeitgeber an, der diesmal deutlich länger sein würde, dessen Zeitpunkt aber nur sehr vage sei.

Seite der Kathedrale von Santiago

Heute stehe ich vor der Kathedrale in Santiago de Compostela und frage mich: wo war das Problem?

Nun sind viele, wirklich viele,  Kilometer hinter uns und wir sind nicht minder reicher an Erfahrungen geworden. Ein unbeschreibliches Gefühl dort angekommen zu sein, dessen Erreichen von Beginn an nicht das Ziel war.

Schon am ersten gemeinsam Abend mit anderen Pilgern wurde die Frage gestellt: warum gehst du diesen Weg? Ich wusste es nicht. Auf diese Frage hatte ich keine Antwort. Vielmehr beschrieb ich, dass ich einfach mal diesen Weg gehen wolle und vielleicht habe er Antworten für mich, dessen Fragen ich nur noch nicht wisse. Ich wurde etwas ungläubig angeschaut, denn scheinbar hat hier wirklich jeder Pilger irgendeinen Grund diesen Weg zu gehen. Im Kloster von Roncessvalles wurde ich erneut auf meine Aussage hin abgesprochen. Es war ein interessantes Gespräch mit einem Pilger. Vielleicht der entscheidende Schlüsselmoment, der eine Tür in mir öffnete.

Auf dem Platz vor der Kathedrale in Santiago stehend erkenne ich rückwirkend diesen Moment in Roncesvalles als einen der vielen Schlüsselmomente für mich. Während dieser Reise, dessen Form die in jeglicher Hinsicht für mich anstrengendste war, öffneten sich in mir viele weitere Türen. Und das ist gut so!

Zu fragen warum ich diesen Weg ging, ist zu fragen warum die Blätter fallen. Es liegt in ihrer Natur! Vielleicht gibt es eine bessere Frage…
Warum ging ich diesen Weg? Um Gleichgewicht und Harmonie in mir zu schaffen.

Für mich ist die wahre Frage die folgende: wofür lohnt es sich zu gehen?