Der Wecker beendet jegliche Träume. Es ist 5 Uhr!
Heute liegen knapp 41 km vor uns und wir wollen unserem Ruf „The German Early Birds“ wieder einmal gerecht werden. Während des bisherigen Weges waren wir aber noch nie sooo früh wie heute.
Nach einer heißen Dusche, dem üblichen und routinierten Startszenario verlassen wir unsere Unterkunft, ziehen die Tür hinter uns zu und treten auf die mit Laternen beleuchtete Straße in Ribadiso.

Ribadiso bei Nacht
Auch heute gab es kein Frühstück. Inzwischen ist unser Magen aber daran gewöhnt und die spanische Siesta ist auch nicht mehr wirklich ein Problem für uns. Wir ziehen los.
Drei Straßen weiter endet die Beleuchtung. Wir befinden uns unmittelbar im tief schwarzen Nichts. Irgendwo bellen mehrere -möglicher Weise durch uns geweckte- Hunde. Vor uns eine Unterführung – zumindest hallen unsere Worte von dort wieder zurück. Vor der Sorge ggf. über etwas zu stolpern oder umzuknicken bleiben wir zunächst mal stehen. Was nun? Weiter gehen oder auf die letzte Bank setzen an der wir vor einigen Metern vorbei kamen und auf den Sonnenaufgang warten? Nein! Wir haben es fast vergessen, aber es gibt eine grandiose Erfindung: Apps! Wir öffnen die App „Taschenlampe“ in unserem Handy und gehen weiter. Irgendwann setzen wieder Straßenbeleuchtungen ein – wir sind im nächsten Ort. Die Morgendämmerung setzt wie gehofft ein und mit ihr scheinbar zeitgleich die Zunahme der Pilgerdichte.

Ortsausgang Arzúa
- Baustelle einer Autobahn vor A Calzada
- Baustelle einer Autobahn vor A Calzada
- auf dem Weg nach Lavacolla
- Bar in O Pino
- Calla – wächst hier überall
- auf dem Weg nach Lavacolla
- auf dem Weg nach Lavacolla
- Werbung für eine Herberge mit dröhnender Bandansage
Das Wetter ist uns heute wirklich sehr freundlich gesinnt und sorgt für eine leichte aber geschlossene Wolkendecke. Unglaublich angenehm! Trotz dieses schönen Wetters und der vielen unzähligen Pausen: die Füße beginnen ab ungefähr 30 km zu brennen. Jeder Schritt scheint Blut aus den Füßen in die Beine zu drücken. Egal wie wir den Fuß abrollen, es schmerzt massiv. Wir gehen weiter – sind ja nur noch 11 km.
Irgendwann auf dem Weg brüllt immer wiederkehrend eine Ansage vom Band durch die sonst so ruhige Szenerie. Je weiter wir gehen, um so lauter und deutlicher hören wir es. Unser Weg führt später sogar an die lärmende Quelle. Wir glauben kaum was wir hier sehen: Werbung für eine Herberge! Wären wir jetzt auf der Suche nach einer, diese würden wir wirklich vermeiden.
Weiter geht es durch große Eukalyptuswälder.

Eukalyptuswald

Pause in der Casa Porta de Santiago
Als wir eine kleine Pause einlegen nieselt es ganz leicht vor sich hin. Wir sitzen dennoch draussen und genießen die Abkühlung von oben. Gelegentlich ziehen Pilger an uns vorüber. Wir sprechen über unsere körperlichen Gebrechen wie 100-jährige. Dennoch geht es uns wirklich richtig gut – seltsam.
Wir scheinen bestimmten Menschen ein Zeichen zu senden, das wir nicht bemerken. Es lautet: erzähl uns deine Lebensgeschichte!
So passiert es, dass wir von einer Gruppe älterer deutscher Pilger förmlich überfallen werden und zu hören bekommen, wie toll sie doch alles organisiert haben. Als Bonus erhalten wir noch Weisheiten über das Wetter dazu. Und sowieso ist hier ja alles anders. Dieses ganze Stück der Theaterkunst bekommen wir von bunten, raschelnden Ponchos geboten. Als die Gruppe ihr Schauspiel beendet hat und von der Bühne tritt genießen wir unsere eiskalten Getränke mit einem entspannten lächeln.
Unser Ziel ist noch 6 km entfernt und so machen wir uns dann wieder auf den Weg. Die Frage nach der Uhrzeit stellt sich nicht. Wir verlassen merklich die ländliche Gegend und kommen scheinbar immer näher an eine Stadt. Der Weg führt am Flughafen von Santiago vorbei. Als wir später in Santiago die Heimreise antreten werden, stellen wir fest, dass man mit dem Bus von der Innenstadt Santiago zum Flughafen nur 40 Minuten benötigt.

Flughafen Santiago
Wir erreichen unser Quartier und greifen beim Pilgermenü abermals zu. Für mich gibt es Paella. Wirklich richtig lecker!

Paella
Wir sind nachdenklich: endet doch morgen unser Weg nach nur noch 6 km vor der Kathedrale in Santiago.
Randnotiz: Was ist pollo? Ich habe da eine Videoantwort 🙂







