Es ist der 24. April und unser heutiges Ziel (in knapp 17 km Entfernung) ist der kleine Ort Ribadiso. Wir sind nun schon durch viele kleine Orte gekommen, aber Ribadiso gehört eindeutig zu den TOP10 der Kleinsten. Offiziell leben in Ribadiso 9 Einwohner.

Auch heute machen wir uns wieder sehr entspannt auf den Weg. Es ist fast halb Neun als wir die ersten Schritte hinter uns haben.

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Dass uns heute zwei Orte zu Pausen verpflichten werden ahnen wir noch nicht und gehen gemütlich unseres Weges. Zwischenzeitlich beginnen wir den Song eines bekannten Schlagerbarden zu verändern und trällern vor uns hin: „It’s a long way to Ribadiso“ … „Ribadiso waits for me“ … „Sha la la la la la la la“ 😀 Die Laune ist also bestens und wir albern rum.

Melide

 

Melide

 

Es gibt Orte, da muss man einfach einkehren. Zum Beispiel, wenn wir auf „DAS DEUTSCHE CAFE“ treffen. Ganz praktisch: wir bekommen auch hier einen erforderlichen Stempel für unser Credential.

Boente – Pflichtpause 🙂

 

Es gibt natürlich Kuchen, Kaffee und ein paar deutsche Worte. Herrlich. Wir trödeln mit unserer Zeit heute wirklich etwas rum und bleiben länger als üblich sitzen. Sehr gut, denn wir lernen Daniel aus Vancouver kennen. Ein sehr sympathischer und interessanter Mensch. Er ist Guide für Abenteuertouren und ist nur durch Zufall auf den Camino gelangt. Wir spendieren eine Runde Bier und Wein und versinken in spannende Gespräche. Irgendwann brechen wir dennoch auf. Die bekannte Gruppe Engländer ist bereits schon vor vielen Minuten winkend an uns vorbei gezogen. Wir werden sie bestimmt wiedersehen. Dan hingegen treffen wir nicht wieder.

Unsere zweite Pflichtpause legen wir in einer sehr seltsamen Bar ein. Innen überhaupt nicht beleuchtet, die Ausstattung zudem sehr dunkel und die Dame hinter dem Tresen wirkt sehr schauerlich. Irgendwie fehlt nur noch DIE Duschwanne mit Vorhang von 1960 eines bekannten englischen Filmregisseurs. Vielleicht sind wir selbst aber auch gerade ein bisschen psycho. Wir kaufen zwei verschlossene Getränke und setzen uns nach draußen. Einen Stempel für unser Credential fragen wir nicht an. Vor dem Gebäude sitzt eine einsame Pilgerin, die kurze Zeit später aufbricht. Jeder ankommende Pilger geht hier, ohne eine Rast zu machen, weiter.

 

Ribadiso

 

Gegen 13 Uhr sind wir bereits in Ribadiso. Welch ein Glück, denn so kommen wir noch rechtzeitig, bevor die Küche wieder bis 20 Uhr kalt bleibt. 🙂 Wir nehmen abermals das Pilgermenü. Es ist eigentlich möglich, die drei Gänge aus unterschiedlichen Speisen zusammenzustellen. Bisher nehmen wir aber häufig das, was wir bereits schon mal probiert haben und mögen. Das kulinarische Experiment mit der lokalen Spezialität in Ponferrada ist einfach noch zu frisch im Gedächtnis.

Nach dem Essen begeben wir uns auf die Terrasse. Manu liest und ich schreibe einen dieser Artikel, mit dem ich jedoch nicht fertig werde. Wir lernen Erika und Murillo aus Brasilien kennen. Es beginnt ein wirklich spannender und lustiger Abend. Die beiden sind Mitte zwanzig, verheiratet und Herbergsbetreiber in Molinaseca. Sie erzählen uns, dass sie vor 5 Jahren nach Spanien ausgewandert sind und die Herberge vor zwei Jahren eröffnet haben. Nun wollen sie wissen, wie es denn so ist als Pilger verkleidet und welche Bedürfnisse/Wünsche entstehen, um somit ihre Herberge besser zu machen als sie bereits ist. Und nebenbei suchen sie nach einem geeigneten Standort für eine zweite Herberge. Zu allem erstaunen können wir den beiden sogar noch etwas neues zeigen: tinto verano. Erika trinkt laut eigener Aussage keinen Alkohol, ist aber die Erste, die das Glas leer hat und sich gern nachschenken lässt. 😛 Der Abend hat noch sehr vielfältige Themen und ist leider wirklich viel zu schnell um.

Morgen wollen wir 41 km hinter uns lassen und das nach Möglichkeit nicht in der prallen Sonne. Wir gehen schlafen und stellen den Wecker auf 5 Uhr.