Heute wollen wir einen ganz entspannten Schuh machen und nur 17 km gehen. Unser Ziel ist Melide.
Wir haben also im Cosmos eines Pilgers jede Menge Zeit und beginnen daher mit einem Frühstücksbuffet. In Restaurants/Bars haben wir zuweilen oftmals festgestellt, dass der Spanier sehr chaotisch und hektisch wirkt und wir daher schon die eine oder andere Bestellung nicht erhielten – oder sogar ohne Bezahlung gegangen sind (ich berichtete). Hier beim Buffet wird uns sogar ein Platz zugeteilt. Seltsames Volk die Spanier. Zu meinem erstaunen gibt es sogar pan con tomato. Ich muss natürlich zugreifen! Die Frau aus der englischen Gruppe ist zuerst etwas unbeholfen vor der Schale und dem darin enthaltenen Tomatenpüree gestanden und wusste wohl nicht so recht wie das Essen funktionieren soll. Nachdem ich ihr quasi eine indirekte Anleitung gegeben habe greift sie ebenfalls zu. 😀 Als wir uns den zweiten Café con leche holen bricht die Gruppe Engländer bereits auf.
Es ist kurz vor halb Zehn als wir mit unserem Rucksack zur heutigen Kurzstrecke aufbrechen.

Beginn der Etappe nach Melide
Wir kommen abermals durch malerische Dörfchen, werden Zeuge einer störrischen Kuh, die partout nicht auf die Weide will, die der Bauer ausgewählt hat und ich vermeide es in eine kleine Kirche zu gehen…

Irgendwo zwischen Palas del Rej und Melide
Eine solch kleine Kirche, denke ich mir, musst du mal unbedingt von innen sehen. Muss ja nicht immer gleich eine große Kathedrale sein. Die Kirche ist nur durch eine kleine Seitentür zu betreten an der ich den Kopf einziehen muss um ihn mir nicht zu stoßen. Weiter als meine Nase durch die Tür zu stecken traue ich mich aber nicht. Das Gemäuer ist innen so finster, man sieht fast nichts. Ich habe ein Gefühl, als würde irgendwo da drinnen eine Falltür mit direktem Anschluß zu Hölle existieren. Ich höre Schuhe rascheln, also muss jemand im Gebäude sein – vermutlich der Fahrer des Autos hier draussen. Ich drehe um und lasse die Gräber zu meiner Linken bei der Rückkehr zu meinem Weg unbeachtet. Mich schaudert es und trotz der Sonne habe ich Gänsehaut.
Auf dem weiteren Weg sehen wir unzählige Hórreos.
Als wir unsere letzte Pause machen wollen, sehen wir schon das Ortsschild von Melide. Wir sind erstaunt! Auf der heutigen Etappe sind wir so gemächlich unterwegs und sollen jetzt schon am Ziel sein? Wir kehren zunächst mal in ein wirklich hübsches Café ein und nehmen auf der Terrasse im Schatten Platz. Den vorbeiziehenden Pilgern grüßen wir freundlich zu, beobachten die ein und andere gestellte Fotoszene vor einem Springbrunnen und wiederum andere Pilger, die ihre Blasen versorgen. Während wir das betriebsame Pilgervölkchen beobachten, zieht plötzlich die bekannte Gruppe Engländer vorbei. Wo um Himmels Willen haben wir die überholt? Haben wir zwischenzeitlich geschlafen während unser Körper wieder einfach nur lief?

Nach der Pause am Ziel
Das Ortsschild Melide ist keine 5 Meter vom Café in dem wir Pause machen entfernt. Was uns aber an dieser Stelle keiner verraten hat, es soll noch 6 km dauern, bis wir wirklich in Melide sind.
Nach dem bisher malerischen Weg begrüßt uns Melide mit einem nicht so schönen Anblick als wir in die Stadt kommen. Der Weg ist karg, immer wieder sehr staubig durch vorbeifahrende Autos.

Melide – der nicht so schöne Teil
Wir beziehen unser Quartier mit einem wirklich sehr schönen Badezimmer zu einem schmalen Euro.

Unterkunft in Melide
Und was folgt nun? Richtig, die oft beschriebene Prozedur: Duschen, Wäsche waschen, ausruhen und unters Volk mischen 🙂
Wir nehmen direkt im Zentrum der Stadt – am Kreisverkehr – in einer Bar draußen Platz und ordern Spaghetti Bolognese mit Cola und natürlich Tinto verano. Ein deutscher Pilger setzt sich später neben uns an den Tisch. Er scheint sehr für sich zu sein. Er liest den Alchimisten. Er war uns aufgrund seiner Geschwindigkeit auf dem Camino heute schon mehrfach aufgefallen. Er geht sehr langsam und scheint zutiefst in Gedanken versunken. Ebenso durchstreift er zuvor die Straßen rund um den Kreisverkehr bis er sich an den Nachbartisch setzte. In ein Gespräch kommen wir mit ihm jedoch nicht.

Spanische Spaghetti Bolognese
Die Bedienung lächelt uns zu, als wir erneut Tinto verano wollen – ist glaube ich nicht die zweite Bestellung. Wir genießen also den Abend bei untergehender Sonne am idyllischen Kreisverkehr von Melide. Schauen dem zum Teil spannenden Autoverkehr zu, der erstaunlicher Weise unfallfrei bleibt. Sehen wie einheimische sich am öffentlichen Brunnen waschen und wenig später sogar eine Pilgergruppe vorbeiziehen, die mit einem Esel unterwegs ist.

Pilgergruppe mit Esel

Tinto verano
Irgendwann haben wir unseren letzten Tinto verano und gehen weiter, um im nächsten Café Churros als Absacker zu uns zu nehmen.

Churros 🙂
Gehen ist jetzt nicht mehr drin. Wir fühlen uns so rund und pummelig. Aber es war lecker! Wir machen uns auf den Weg zur Unterkunft und hoffen auf Kontakt zu anderen Pilgern. In der Herberge selbst ist Totenstille. Es scheint niemand hier zu sein. Wir ziehen uns ein paar Getränke und was zu knabbern aus dem Automaten und setzen uns in den Innenhof. Dort sind zwei Italienerinnen, die aber offensichtlich ihre Ruhe wollen.
So geht der Tag langsam dem Ende entgegen, im Innenhof der Herberge vor dem Ständer mit unserer Wäsche.