Die nächste Etappe von Astorga nach Rabanal del Camino führt uns wieder auf 1.100 Metern Höhe. Der höchste Punkt des gesamten Weges besteht uns aber noch bevor. 

In Astorga kommen wir in den frühen Morgenstunden mit dem Bus an und beginnen direkt am Gaudi Palast unsere nächsten Abschnitte. Aber statt der Höhe stellt uns der Weg auf eine erneute andere Probe: es geht stundenlang und kilometerweit nur gerade aus. Dazu natürlich auch noch die Sonne von oben. 


Manu und ich reden während dieser Etappe wenig miteinander und ebenso wenig albern wir auch rum. Jeder scheint mit seinen Gedanken bei sich und dem Weg zu sein.

Ich lausche der natürlichen Geräuschkulisse dieser sehr trockenen Landschaft. Es gehen mir Bilder durch den Kopf während mein Körper allein weiter zu gehen scheint. Skurril.
Wir treffen -irgendwann- auf das kleine Dorf Santa Catalina de Samoza. 


Im Dorf selbst scheint die Zeit stehengeblieben zu sein.




Wir gehen durch den Ort weiter unserem heutigen Tagesziel Rabanal del Camino entgegen. 

Dabei durchqueren wir nach einigen Kilometern wieder ein kleines Dorf dessen Zeitlinie ebenfalls wie im Dorf zuvor eine andere zu sein scheint. Wir sind fasziniert. 




Wir treffen in El Ganso auf die legendäre Cowboy Bar. 


Natürlich wollen wir hier eine Rast machen und „satteln ab“. Der Wirt scheint schon einen kleinen Frühschoppen gehabt zu haben, was uns aber überhaupt nicht stört. Wir ordern eine Cola, ein Estrella Galicia sowie zwei Tortilla und nehmen im Innenraum auf einer Holzbank Platz. Die Bar ist bestückt von Mitbringsel aus aller Welt. Großartig!

Wir verweilen einige Zeit und brechen dann auf. Wieder ist jeder nur bei sich und so erreichen wir irgendwann an diesem Tag Rabanal del Camino.


Wir haben uns im Casa Indie einquartiert. Ein altes Gemäuer liebevoll hergerichtet und mit modernen Annehmlichkeiten ausgestattet. Damit wir unser Bett bekommen müssen wir eine spanische Nummer anrufen. Nun dachten wir, das Manu, der extra eine spanische SIM-Karte gekauft hatte, eben anrufen könnte. Aber: er hat kein Netz! Wir nehmen mein Handy und rufen an. Ein Hoch auf die deutsche Telekom. 🤣

Wir bekommen unser Zimmer und packen schon fast routiniert unseren Rucksack aus und gehen duschen, erledigen die dreckige Wäsche und mischen uns danach mit unseren Crocs unter das überschaubare Dorfvölkchen. Die meisten einheimischen Bewohner scheinen nicht da zu sein, außer schlafenden Hunden und Katzen ist niemand zu sehen. Die üblichen Pilger blende ich gerade aus.

Wir gehen essen und haben eine super sympathische Bedienung. Das Pilgermenü spricht uns an und so bestellen wir es. Wir bekommen ein 3-Gänge-Menü und dazu eine Flasche Rotwein und eine Flasche Wasser für wirklich schmales Geld. Die Patatas Fritas sind sogar handgemacht! Zusätzlich gibt uns Ignacho Sprachunterricht. 😎

Das Bergwetter wechselt plötzlich und so überrascht uns ein Gewitter. 

Ein eilig für uns aufgespannter Sonnenschirm hält schlussendlich dem starken Regen nichts entgegen und wir gehen nach drinnen. 

Auch dort stellen wir wieder fest, dass hier wirklich eine ganz andere Zeit schlägt.


Wir bleiben einige Zeit und haben später Kontakt mit Marc aus Irland, der den Camino mit seinem Vater gemeinsam geht. 

Flüchtig begrüßt uns auch eine rothaarige deutsche, als sie das Lokal verlässt. Wir wissen zu diesem Zeitpunkt nicht, dass wir sie noch mal wiedersehen werden und diese Begegnung sich seltsam entwickeln wird. 😉

Wir haben einen lustigen Abend und gehen entspannt und glücklich schlafen. 



Morgen wird uns die für Pilger symbolträchtigste und höchste Etappe des gesamten Camino Frances erwarten.